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Die Pfarrkirche von Groß Schwirsen
Schon in der katholischen Zeit hat es in Groß Schwirsen eine Kirche gegeben, einen eigenen Pfarrer hatte die Gemeinde damals allerdings noch nicht. Die Kirche war Tochterkirche von Pritzig, der Pleban, d.h. Leutepriester von dort hielt die Gottesdienste ab. Im Jahre 1534 bekannten sich die Herzöge von Pommern zum evangelischen Glauben und bald darauf wurde auch in Groß Schwirsen die Reformation eingeführt.
Leonhard Gastmeister war der letzte Pfarrer von Pritzig, der die Gemeinde von Groß Schwirsen versah.
| 28.10.1576 | Daniel Papke wird der erste Pfarrer von Groß Schwirsen. Pfarrhaus, Pfarrgehöft und Pfarracker fehlten noch, der Pfarrer mußte anfangs in das Backhaus des Herrn Ballentin von Massow einziehen. |
| 1598 | Eine neue Kanzel und ein neuer Altar für 25 Gulden werden angefertigt. |
| 1606 | Pfarrer Papke zieht "wegen dringender Not und Armut" nach Schlawe und wirkt dort fortan als Lehrer. Die Kirche war in einem schlechten Zustand. Es fehlten die Kanzel, die Bänke, gering und schlecht war der Altar, die Glocke zerbrochen, die Kirche ein verfallenes Lehmfachwerkgebäude mit Stroh gedeckt. Ein Dachreiter, in dem die Glocke hing, ersetzte den Turm. |
| 1618-1648 | Während des 30-jährigen Krieges herrscht Armut und Not, an Kirchenbauten konnte man nicht denken. |
| 1668 | An Kirchengerät
sind vorhanden: Ein Meßgewand, ein Hemd, zwei Altarlaken, eine rote
Altardecke, zwei Sprett Tücher mit goldenen Spitzen, Zwei mit Gold,
Silber und Seide genähte Tücher, eine Weinflasche aus Zinn, zwei
eiserne Leuchter. Aus dieser Zeit stammt auch der vergoldete Abendmalskelch,
der bis Anfang des 20. Jh. im Gebrauch war. Die Widmung auf der dazu gehörenden
Patene lautet: "A. M. Hans Lettowen Naghelatene Wedewe Heft Dith Ghegeven"
David Lettow erhält von den übrigen Patronen die Erlaubnis, sich außer einem Gestühl auch ein Begräbnis in der Kirche zu bauen. Die Lettows hatten ein Gewölbe auf der Nordseite unter dem Klein Schirsener Patronatsgestühl, ein Lettow ist auch auf der anderen Seite beerdigt worden. Die letzte Beisetzung hat 1782 stattgefunden. Vor und hinter dem Altar wurden die von Massows beigesetzt. |
| 1670 | Beginn des Totenregisters der Kirchenbuchaufzeichnungen. |
| 23.5.1681 | Zum erstenmal wird aus der messingnen Taufschüssel, auf deren Boden sich ein Bild des Sündenfalls befindet, getauft, und zwar "des Caffschen Schäfers Patrotzen Töchterlein Maria". |
| 1705 | An der Kirche wird ein neuer, der jetzige Turm, mit "eichenem Spohn" gedeckt, angebaut. 2 Glocken waren in demselben. Die Inschrift auf einer zinnenen Tafel, eingelegt in den an der Turmspitze befindlichen Knopf, ist uns bekannt, sie lautet, aus dem lateinischen übersetzt: "Im Jahre Christi des Heilandes 1705 ist der Turm der Kirche zu Gross-Schwirsen erbauet worden. Zwei neue Glocken werden beschafft. |
| 1710 | Die Kirche wird erbaut, Eichenholz in Fachwerk gemauert mit Ziegeldach. Auch das Innere wird neu hergestellt, neue Stühle, neue Chöre, eine neue Kanzel angefertigt. Der Altar wird in die neue Kirche übernommen. |
| 1723 | Verabredung über die Verteilung der Sitzplätze in der Kirche wird getroffen: Der Kirchenvorsteher behält seine Bank, den Herren von Massow zu Groß Schwirsen auf dem großen und dem kleinen Hof werden die erste Bank auf beiden Seiten eingeräumt, während in den anderen Bänken "beide hohen adeligen Geschlechter", die von Massows und die von Lettows der Reihe nach folgen sollen. |
| 1730 | Die beiden
zinnenen Leuchter werden erwähnt, die bis Anfang des 20. Jh. auf dem
Altar standen, ein rotes und ein weißes Kelchtuch, zwei rote Tücher,
die bei der Kommunion gebraucht werden und auch das Meßgewand von
1668 ist damals noch vorhanden.
Die Chöre waren wie folgt verteilt: auf der Südseite die Gestühle der von Massows, auf der Nordseite die der von Lettows, links vom Altar die Besitzer von Groß Schwirsen und Mallenzin, rechts der von Gadgen, rechts vom Orgelchor die Besitzer von Kaffzig und Papenzin, links die von Klein Schwirsen und Bial. |
| 1733 | Im Visitationsprotokoll findet sich folgende Anordnung: "Wer von den gemeinen Leuten lesen kann, soll in ihren Bänken voranstehen" und diese: "In die dritte Frauenbank gehören die Kirchenvorsteher-Weiber und die Priestermägde und sonst niemand". |
| 1754/1755 | Das Innere der Kirche erhält weiteren Schmuck. Dorothea Elisabeth von Massow, geb. von Natzmer schenkte den Kronleuchter vor dem Altar, ließ den neuen Altar aufrichten, Gestühl, Kanzel, Beichtstuhl und Bänke anmalen. |
| 1755 | Auf der Kirche wird eine neue Turmspitze angebracht. |
| 1771 | Es erfolgt im Visitationsprotokoll die Anordnung, daß die Kirchenvorsteher auf die Bank der herrschaftlichen Bediensteten und auf die Predigerbank Acht geben müssen, damit niemans anders dort Platz nimmt und die, die hineingehören, nicht verdrängt werden. In der Predigerbank haben die Frau und Tochter des Küsters nebst des Pastors Dienstmädchen und Frau eine Freiheit, zu sitzen. |
| 29.11.1777 | Die größere der beiden Glocken wird wegen eines Sprunges umgegossen und wieder aufgehängt. Die Inschrift um den Kranz lautet: "Goss mich J. M. Meyer von Neuen Stettin in Schlawe, Anno 1777. Die Herren Patronen G. C. v. Massow, G. C. v. Lettow, W. G. v. Lettow, P. F. v. Massow, G. v. Lettow, P. G. v. Froreich, A. Fiddechow, Pastor" |
| 1867 | Der Kirche wird der Tauftisch mit schwarztuchener Decke und zwei gußeiserne Altarleuchter geschenkt. |
| 1884 | Der Turm wird massiv untermauert. |
| 1890 | Die kleine Glocke fällt herunter und wird in Danzig umgegossen, eine Inschrift fehlt. |
| 1892 | Die jetzige Orgel wird von dem Orgelbaumeister Völkner in Dünnow neu gebaut und kostet 1800 Mark. |
| 1897 | Der Kirche werden vom Vater des Pastors Schwantes die silberplattierte Taufkanne, Weinkanne und Ciborium geschenkt, im selben Jahr erhält die Kirche eine schwarzsamtene Altar-, Kanzelpultdecke. |
| 1901 | Baron von Massow aus Mallenzin stiftet das Altarbild, ein Stich Leonardo da Vincis Abendmahl. |
| 1902 | Frau von Massow, Groß Schwirsen, stiftet das Kreuz am Altarblatt |
| 1902/1903 | Ausbesserung des Dachstuhles, Umdeckung des Kirchdaches, Ausbesserung des Feldsteinpflasters durch Dielen. Emporen, Altar und Kanzel werden weiß gestrichen, die Treppen an den Ausgängen erneuert. Das Schindeldach wird nach 200 Jahren neu gedeckt. |
| 1903 | Patron von Massow aus Groß Schwirsen stiftet eine Altar-, Kanzelpult- und Tauftischdecke. Aus freiwilligen Beiträgen wird außerdem ein zweiter Kronleuchter angeschafft. |
| 1904 | Durch Patron von Massow werden die 4 Liedertafeln gestiftet. |
Alle Angaben entnommen dem Monatsblatt der evangelischen Kirchengemeinde Groß Schwirsen, Zeitschrift von 1.1905 bis 10/11.1908, Herausgeber: Pastor Wilhelm Busch, Selbstverlag, Druck: Otto Hasert, Rummelsburg in Pommern.Die evangelischen Pfarrer der Groß Schwirsener Kirche sind auf der Geschichtsseite von Pfarrer Bartkowiak (Gr. Schwirsen) aufgeführt, vollständig von 1576 bis 1945.
Weitere sehr interessante Informationen ebenfalls dort.
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Erstellt von Jürgen Lux.
Dank gilt Andreas Freter, der das
Monatsblatt der evangelischen Kirchengemeinde Groß Schwirsen in der
UB Greifswald entdeckt hat. Letzte Aktualisierung: 28.12.2000